STAB

 

Stabilität von Partnerschaften und Ehen (STAB)

Projektleitung: Prof. Dr. Paul B. Hill

Projektmitarbeiter: Dr. Oliver Arránz Becker; Dipl.-Math. Andrea Altepost

Projektförderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Förderungszeitraum: 01. Mai 2004 bis 30. April 2008

Förderungssumme: ca. 171.000 Euro

Das Projekt STAB ist in ein interdisziplinäres Verbundprojekt (das Schwerpunktprogramm 1161: Beziehungs- und Familienentwicklung) eingebettet, welches als langfristige Kooperation zahlreicher deutscher Forschungsstandorte von der DFG gefördert wird.

Ziele des DFG-Schwerpunktprogramms Beziehungs- und Familienentwicklung

Das zentrale Ziel des aufgebauten Forschungsnetzwerks liegt in der Identifizierung und im empirischen Nachweis generierender Prozesse, die für das Zustandekommen, für unterschiedliche Verlaufsformen sowie für den Bestand beziehungsweise für die Beendigung von Partnerschaften und Ehen verantwortlich sind. Hierbei werden zum einen unterschiedliche endogene Prozesse wie das individuelle Partnersuchverhalten, die Entscheidung zur Familiengründung oder die Bedeutung von Konflikten beschrieben; zum anderen werden exogene Faktoren, z.B. die Bedeutung sozialer Netzwerke oder beruflicher Mobilitätsanforderungen, in ihren Effekten auf Gestaltung und Entwicklung von Paarbeziehungen untersucht.

Die Datenerhebung wird mittels Mehrfachbefragung einer großen, repräsentativen Stichprobe (Familienpanel) von drei Alterskohorten erfolgen, aus denen je 4000 Befragte rekrutiert werden (N = 12.000). In der gegenwärtig laufenden Vorbereitungsphase werden standardisierte Fragebogen entwickelt, mittels teststatistischer Verfahren evaluiert und zu einem Skaleninventar zusammengefügt. Das hieraus resultierende Erhebungsinstrument wird dann in der auf sechs Jahre anberaumten Hauptbefragungsphase ab 2008 in den Interviews eingesetzt (vgl. den folgenden Zeitplan).

Das Forschungsprojekt Stabilität von Partnerschaften und Ehen (STAB)

Das Projekt STAB zielt speziell auf die Beschreibung und Erklärung der Beständigkeit von Partnerschaften und Ehen. Als Stabilitätskriterium wird zum einen der formale Status der Partnerschaft angesehen, der diverse Ausprägungen aufweisen kann – zusammen versus getrennt, verheiratet versus geschieden und so weiter. Zum anderen wird die subjektive Beziehungsstabilität als zentrales Konzept eingesetzt, das darüber hinaus differenziertere Abstufungen zwischen hoher Stabilität und Trennung / Scheidung erlaubt.

Welche Einflüsse auf die Partnerschaftsstabilität lassen sich nun theoretisch erwarten? In zahlreichen Studien hat sich gezeigt, dass die Ehestabilität umgekehrt u-förmig über die Beziehungsdauer variiert (Sichelfunktion) und durch diverse paarspezifische und exogene Prozesse beeinflusst wird. Zunächst war deshalb ein allgemeines Modell zur Erklärung der Stabilität von Beziehungen zu entwickeln. Dieses schließt an bekannte theoretische Perspektiven an und sieht in den Alternativen am Heiratsmarkt, dem Suchverhalten, der Passung der Partner, dem Commitment gegenüber der Beziehung, den Investitionen, der Zufriedenheit, den (wahrgenommenen) Alternativen zur bestehenden Beziehung sowie den Barrieren gegen eine Beziehungsauflösung die zentralen erklärenden Konstrukte.

Im Rahmen der Hypothesen wird erwartet, dass die Alternativen auf dem Heiratsmarkt sowie das Partnersuchverhalten die Passung der Partner (Matching) bestimmen. Diese wiederum begünstigt eine starke kognitive Rahmung (Framing) der Partnerschaft und die Entstehung von Verpflichtungsgefühlen (Commitment) und fördert die Bereitschaft und Realisierung materieller und immaterieller Investitionen in die Beziehung; ein Beispiel für eine materielle Investition stellen größere gemeinsame Anschaffungen dar, immaterielle Investitionen in die Partnerschaft entstehen z.B. durch Kinder. Hohe Investitionen steigern wiederum den Gewinn aus der Partnerschaft/Ehe in Relation zu einer anderen Partnerschaft oder zum Alleinleben und sind daher maßgeblich für die Partnerschaftszufriedenheit verantwortlich. Eine hohe Zufriedenheit beziehungsweise ein hoher Ehegewinn sichern insbesondere dann die Stabilität der Partnerschaft, wenn die Alternativen zur Beziehung als qualitativ minderwertig und die einer Trennung entgegenstehenden Barrieren als hoch wahrgenommen werden.

1. Projektphase (01. Mai 2004 bis 30. April 2006)

Für sämtliche im Forschungsmodell enthaltenen Konzepte wurden in der ersten Projektphase geeignete Interviewfragen entwickelt und im Rahmen mehrerer Pretests nach etablierten wissenschaftlichen Kriterien evaluiert. Dadurch konnte ein Fragebogen zur Messung der oben abgebildeten Modellkonstrukte generiert werden. Das Instrument wurde nach erfolgreichen eigenen Vortests in die Panelbefragung des DFG-Schwerpunktprogramms eingebracht und dort unter Feldbedingungen erprobt.

2. Projektphase (01. Mai 2006 bis 30. April 2008)

In der zweiten Projektphase wurden an vier Standorten – Bremen, München, Mannheim und Chemnitz – drei Datenerhebungswellen durchgeführt. Die primären Zielpersonen der Befragung waren insgesamt 600 zufällig ausgewählte Männer und Frauen aus drei vorher festgelegten Geburtskohorten (1968-70, 1978-80, 1988-90). Sofern die Zielpersonen sich zum Befragungszeitpunkt in einer nichtehelichen Partnerschaft oder Ehe befanden, wurden zusätzlich bei gegebener Teilnahmebereitschaft auch deren Partner/innen befragt. Für die erste Befragungswelle konnten auf diese Weise 215 vollständige Paarinterviews realisiert werden. Zu insgesamt drei Untersuchungszeitpunkten – Herbst 2005, Frühjahr 2006 und Herbst 2006 – wurden diese Personen wiederholt zu unterschiedlichen Themen aus dem Bereich Partnerschaft und Familie befragt. Das Hauptziel der 2. Phase im Forschungsprojekt STAB waren umfangreiche quantitative Datenauswertungen, die insbesondere Faktoren untersuchen, welche über Auflösung beziehungsweise Fortbestand von Partnerschaften entscheiden.