Strukturelle Determinanten geschlechtsspezifischer Segregation an Universitäten : eine empirische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des Universitätskontextes und der technischen Ausrichtung von Universitäten

  • Structural determinants of gender segregation at universities : an empirical study with special reference to university context and technical focus of universities

Jüttemann, Michaela; Hofmeister, Heather (Thesis advisor); Paulitz, Tanja (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2015)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2014

Kurzfassung

Die Dissertation bietet eine empirische Untersuchung des Zusammenhangs struktureller Fak-toren und der geschlechtsspezifischen Segregation des wissenschaftlichen Personals an Uni-versitäten. Hierbei wird dem Universitätskontext sowie der technischen Ausrichtung von Universitäten besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In der Wissenschaft ist horizontale Segregation zu verzeichnen, d.h. männliche und weibliche Wissenschaftler sind in verschiedenen Fächergruppen ungleich stark vertreten. Während bei-spielsweise die Sprach- und Kulturwissenschaften insgesamt geschlechtsintegriert sind, sind die Fächergruppen, die den MINT-Fächern zugerechnet werden (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), nach wie vor männlich dominiert. Weiterhin ist vertikale Segregation zu beobachten, d.h. die Konzentration von Wissenschaftlerinnen auf statusniedri-gere Positionen. Theoretisch lässt sich die Arbeit im Schnittpunkt der Forschungsfelder der genderorientierten Wissenschaftsforschung und der Organisationsforschung einordnen. Sie fokussiert auf die Erklärungsbeiträge struktureller Faktoren, genauer: der sog. Kontingenzansätze, unter die auch die zu untersuchende technische Schwerpunktsetzung von Universitäten einzuordnen ist. Die theoretischen Konzepte Pierre Bourdieus dienen der Integration und Visualisierung der Erklärungsansätze. Anschließend wird die Bedeutung fachlicher Merkmale für die Verge-schlechtlichung von Karrierechancen in der Wissenschaft dargelegt. Die aus dem Forschungsstand abgeleiteten Forschungsfragen dienen der Analyse des Einflus-ses ausgewählter struktureller Einflussfaktoren sowie des technischen Schwerpunkts der Uni-versität auf die Integration von Wissenschaftlerinnen auf Ebene der Universitäten bzw. der Fächergruppen. Die Ergebnisse der Arbeit lassen sich wie folgt zusammenfassen: Der direkte Einfluss der technischen Schwerpunktsetzung kristallisiert sich als wesentlicher Erklärungsbeitrag auf die Integration von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Professorinnen heraus. So kann in den Sprach- und Kulturwissenschaften eine höhere Integration von Wissenschaftlerinnen an Universitäten ohne technischen Schwerpunkt verzeichnet werden. Eine vertiefende Analyse zeigt, dass die höhere Integration von Professorinnen auf höheren Integrationswerten bei den statusniedrigeren Professuren beruht. Als mögliche Interpretationen dieser Befunde werden der Zusammenhang zwischen der Feminisierung und dem Bedeutungsverlust eines Faches sowie eine mögliche Kompensationsstrategie diskutiert. Mittels Letzterer könnten Universitä-ten mit technischem Schwerpunkt zugleich den Druck zur Steigerung der Integration von Wissenschaftlerinnen erfüllen sowie mit fach- bzw. fächergruppenspezifischen Integrations-hemmnissen umgehen. Demgegenüber erweisen sich der direkte Einfluss der übrigen strukturellen Faktoren sowie der durch die technische Schwerpunktsetzung moderierte Einfluss dieser Faktoren nur in Einzelfällen als bedeutsam für die geschlechtsspezifische Integration. Die Arbeit zeigt somit, dass Universitäten als wissenschaftliche Organisationen hinsichtlich der Untersuchung der geschlechtsspezifischen Segregation einen Sonderfall darstellen, der einer separaten Untersu-chung bedarf. Weiterhin scheinen Universitäten mit technischem Schwerpunkt gegenüber Universitäten ohne technischen Schwerpunkt keine strukturellen Risikofaktoren aufzuweisen, die die Integration von Wissenschaftlerinnen direkt hemmen könnten.

Einrichtungen

  • Lehr- und Forschungsgebiet Technik und Diversität [761520]

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