Projekt Lügendetektion

 

Vom Polygrafen zum Hirnscanner

Illustration des Polygraphen Urheberrecht: Monika Weissensteiner

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Dr. Bettina Paul

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Larissa Fischer

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Ankündigungen

  1. Am 5. September 2019 gibt das Projektteam auf der Jahreskonferenz der 4S in New Orleans Einblicke in die Ergebnisse des laufenden Projekts. Der Titel des Vortrags ist: „Detecting Intentions: The Value of STS for Elucidating Conceptual Shifts in Truth Verification“.
  2. Alles zum Panel "STS and Security Studies: Expertise, Infrastructures and Practices" erfahren Sie unter http://tinyurl.com/yykd6b9d
 

Projektsteckbrief

  1. Projektlaufzeit: 2017 - 2020
  2. Drittmittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft
  3. Projektleitung: Prof. Dr. Torsten H. Voigt
 

Über die anhaltende Attraktivität und soziotechnische (Neu-)Konfiguration der Lügendetektion

Das Forschungsvorhaben untersucht erstmals aus sozialwissenschaftlicher Perspektive die his­torische Entwicklung, rechtlich-administrative Praxis und sozio-technische (Neu-)Konfiguration der Lügendetektion in Deutschland. Ziel ist es, die mit dieser Technologie verbundenen soziotechnischen Wissens- und Praxiskonfigurationen, bestehend aus einem komplexen Gefüge von Erwartungen, Versprechungen, erfahrungsbezogenen Übersetzungsleistungen und Wissensbeständen, zu analysieren und zu reflektieren.

 

Ausführliche Projektinformationen

Aussagen einer Person auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können, um sich Gewissheit über Gesagtes und/oder Getanes zu verschaffen, ist ein ebenso historisches wie gegenwärtiges gesellschaftliches Ziel. Wissenschaftlich-technologische Verfahren, die diesem Wunsch nachkommen, werden als Lügendetektion bezeichnet. Das wohl bekannteste Gerät ist in diesem Zusammenhang der in den 1920er Jahren entwickelte Polygraf. Er versprach auf der Basis biologischer Daten eine neue Qualität der Lügendetektion. Von Beginn an wurde jedoch die Validität dieses und vergleichbarer Verfahren kritisiert. Trotz aller Kritik wurde auch in Deutschland nie gänzlich darauf verzichtet, Lügendetektoren in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten einzusetzen. Aktuell wird gar ihre Renaissance konstatiert, was insbesondere mit dem Entwickeln und Anwenden bildgebender Verfahren der Neurowissenschaften für die Lügendetektion zusammenhängt. Gerade in forensischen Diskursen wird diesen ein erhebliches Potenzial zugesprochen, da mit ihren neurowissenschaftlich fundierten Prozedere eine validere Detektion von Lügen ermöglicht werde. Dies führte unter anderem zu einer neuen Debatte über ihre Zulässigkeit im Rahmen von Straf- und Zivilprozessen. Trotz der gesellschaftlichen und (sicherheits-)politischen Relevanz des Themas steht eine umfassende sozialwissenschaftliche Analyse lügendetektorischer Praktiken bis heute aus. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die soziotechnische Ausgestaltung einschlägiger Handlungskontexte. Das Forschungsvorhaben untersucht erstmals aus sozialwissenschaftlicher Perspektive die his-torische Entwicklung, rechtlich-administrative Praxis und sozio-technische (Neu-)Konfiguration der Lügendetektion in Deutschland.

Ziel ist es, die mit dieser Technologie verbundenen soziotechnischen Wissens und Praxiskonfigurationen, bestehend aus einem komplexen Gefüge von Erwartungen, Versprechungen, erfahrungsbezogenen Übersetzungsleistungen und Wissensbeständen, zu analysieren und zu reflektieren. Dabei soll die für das jeweilige Verfahren konkrete Eigendynamik der soziotechnischen Handlungspraxis herausgearbeitet werden. Dies beinhaltet insbesondere, dass die Perspektiven und das Wissen der involvierten Akteur_innen in ihrer jeweiligen (praktischen und fachlichen) Eigenlogik zu rekonstruieren sind. Hierbei wird insbesondere auch die Rolle neuer bildgebender Verfahren für die Renaissance der Lügendetektion in den Blick genommen. Mit diesem Fokus leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur soziologischen Analyse und theoretischen Reflexion wissenschaftlich-(bio)technologischer Verfahren, ihrer Attraktivität in verschiedenen Handlungsfeldern und Kontexten der Gegenwartsgesellschaft sowie der mit ihrem Einsatz verbundenen gesell-schaftlichen Implikationen.

 

Projektrelevante Publikationen

Egbert, S., Paul, B. (2016): Devices of lie detection as diegetic technologies in the ‘war on terror’. In: Bulletin of Science, Technology & Society, online first, doi: 10.1177/0270467616634162.

Heinemann, T. (2016): Die neurowissenschaftliche Suche nach dem Bösen. In: psychosozial, 39, 144, 10-25.

Heinemann, T. (2014): Gefährliche Gehirne: Verdachtsgewinnung mittels neurobiologischer Risi­koanalysen. In: Kriminologisches Journal 46, 3, 184-198.

Paul, B., Egbert, S. (2014): Lügendetektion per Neuroimaging – Visuelle Verdachtstechnologien als soziotechnische Ensembles. In: Kriminologisches Journal 46, 3, 153-167.

Heinemann, T. (2012): Populäre Wissenschaft: Hirnforschung zwischen Labor und Talkshow. Göttingen: Wallstein.